2. Geschichtsstammtisch: Ein bunter Themenstrauß
Von 19 bis 92…
Diesmal traf sich die an der Geschichte unseres Stadtteils interessierte Gruppe im Clubheim des FV 09 Bischmisheim. Anfangs begegneten sich noch Zukunft (Jugendabteilung unter Leitung von Frank Baum) und Vergangenheit (Geschichtsstammtisch, Leitung Rolf-Dieter Ganz) liebevoll von Renate und Fritz Lagaly betreut bei ihren parallel stattfindenden Sitzungen, während draußen Jannik Schliesing die Aktiven zum ersten Training des Jahres geladen hatte. Wieder mussten einige Interessenten aus dienstlichen bzw. gesundheitlichen Gründen absagen. Und wieder hatte sich der Kreis um einige Neuankömmlinge erweitert: 10 Frauen und Männer tauschten im Rahmen der Tagesordnung Erinnerungen aus. Nach wie vor neugierig der 19jährige Christian Zitzlsperger, neu dabei Inge Seegmüller (92), Horst Scheidt, Martin Deutsch und Wolfgang Klein (seit Jahren Mitglied der Geschichtswerkstatt Brebach) – ein munterer mehrere Generationen umfassender Kreis.
Zu Beginn an Hand der Tagesordnung ein Rückblick auf das erste Treffen im November. Überraschend konnte niemand etwas mit dem Namen Irene Bernard anfangen. Wie im Internet nachzulesen handelte es sich bei ihr um eine aus Bischmisheim stammende Widerstandskämpferin im 3. Reich u.a. als Mitglied der Resistance. Also wollen wir Näheres über das Leben der früheren Mitbürgerin in Erfahrung bringen. Schicksal und Familie der von den Nazis ermordeten Mathilde Tausend (Stolperstein am Geisberg) waren da schon eher bekannt. Rund um das Thema Saarstatut griff Klaus Altpeter die Erinnerungen seines Vaters aus dem Abstimmungsjahr 1955 auf, z.B. dass es im damaligen Gasthaus Schwalbe eine Schlägerei zwischen Ja- und Nein-Sagern gegeben hatte. Altpeters Bibliothek enthält Bücher aus dieser Zeit. Der Verweis auf dieses Material hat bei mir die Suche in Schubladen und Regalen ausgelöst: Mein schon früher erwachtes Interesse – obwohl oder gerade als Zugezogener – hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass ich mittlerweile im Besitz historischer Bücher bin: „Das Amt Brebach in seiner 150jährigen Geschichte“ (von 1954), „Brebach-Fechingen einst und jetzt“ (von 1973) und „Die Einwohner von Bischmisheim vor 1900“ (von 1999, Ingrid und Klaus Berndt und Wolfgang Mudter). Da davon auszugehen ist, dass sich weitere Bücher, Broschüren, Dokumente und Fotos im Privatbesitz befinden, könnte eine umfassende Bestandserfassung die Basis für eine mögliche Ausstellung sein… Über das Landesarchiv in Scheidt und das Stadtarchiv in Saarbrücken hinaus. So machte Altpeter auf die Schriften der früheren Journalistin Dr. Doris Seeck aufmerksam – auch eine spannende Quelle. Ebenso die historische Einladung zur Wolfsjagd. Wir versuchen dran zu bleiben. An den alten Unterlagen und den Zeitzeugen…
Aspekte von der Grenze zwischen Schafbrücke und Bischmisheim brachte Horst Scheidt in die Diskussion ein, die von einigen anderen aufgegriffen wurden. Wieder ein Thema, an dem es sich lohnen sollte, dran zu bleiben. Versprochen. Das rief Martin Deutsch, Wanderwart des Saarwald-Vereins, auf den Plan. Er organisiert z.B. Wanderungen entlang der historischen preußisch-bayrischen Grenze, um die er passende Geschichten garniert (siehe Wanderplan, nächster Termin 08.02.26). Möglicherweise gibt es zwischen ihm und Patrik Frank, Fachmann für die Bunker in und um Bischmisheim, Anknüpfungspunkte.
Schließlich erinnerte Ganz an den früheren Mitbürger Hermann Neuberger (1919 – 1992). der posthum im letzten Herbst zahlreiche Ehrungen durch DFB und SFV sowie weitere Institutionen aus Anlass des 50jährigen Jubiläums seiner Wahl zum DFB-Präsidenten erfahren hatte. Seltsamerweise nicht von seinem langjährigen Wohnort Bischmisheim. R.D. Ganz war bisher davon ausgegangen, dass vor allem die Kritik an Neubergers devotem Verhalten gegenüber der Militärjunta bei der WM in Argentinien zu der in der Bischmisheimer Bevölkerung weit verbreiteten ablehnenden Haltung gegen dem mächtigen Funktionär geführt hatte. Doch die Ur-Bischmisser (Klein, Altpeter, Hippchen, Baesel) wussten es besser: zwischenmenschliche Beziehungen bzw. das Gegenteil wären der Auslöser gewesen. So hätte er von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (Ortwin Schwindt) wenig Kontakt zur hiesigen Bevölkerung gepflegt. Was bei Otto Normalverbraucher nicht gut ankam. Wesentlich zugänglicher wär demgegenüber Herbert Binkert, der auch seinen Lebensabend in Bischmisheim verbrachte, gewesen. Im Gespräch mit Vertrauten hätte Neuberger sein Verhalten mit der Aufdringlichkeit vieler Mitbürger begründet. So hätte er z.B. Besuche in Bischmisser Gasthäusern zum Schutz seiner Privatsphäre vermieden, was er andererseits bedauert habe. Zum FV 09 hätte er ein gutes Verhältnis gepflegt. Besonderer Ausdruck die mehrfache Übernahme der Schirmherrschaft bei verschiedenen Vereinsjubliläen (60, 75…). Meine Erfahrungen decken sich mit denen von Ortwin Schwindt. Deshalb habe ich im Rahmen meiner damaligen Vorstandstätigkeit die Erinnerung an ihn durch die Taufe der Jugend-Turniere von 2009 bis 2017 in „Hermann Neuberger-Jugendturniere“ wach gehalten. In Abstimmung mit seiner Familie. Was u.a. dazu geführt hatte, dass Neubergers Nachfolger – Zwanziger, Niersbach, Grindel – Grußworte für das Turnierprogrammheft zugeliefert hatten. Danke liebe Bischmisser Kollegen.
Das 3. Treffen unter dem Titel „Geschichtsstammtisch Bischmisheim“ wird im März stattfinden. Das genauere Datum folgt. Nach wie vor gilt, dass der Stammtisch offen ist für jedefrau und jedermann.
rdg.
Bischmisheim, 21.01.2026

