Rückblick „Geschichts-Stammtisch“
Das Stichwort „Saarstatut“ elektrisiert offensichtlich immer noch…
Erfreulicher Re-Start des Geschichtsstammtischs
Das Interesse an Bischmisheims Vergangenheit lebt! Zumindest läßt das Echo auf die Teilnahme bei der Wiederbelebung des Anfang 2017 als Nachfolger der früheren Geschichtswerkstatt gegründeten und leider zwei Jahre später aus verschiedenen Gründen (Corona, Krankheiten, Todesfälle, mangelnde Tagungslokale) ausgebremsten Geschichtsstammtischs das erkennen. Acht an der Geschichte unseres Dorfes interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich auf Einladung des früheren Kulturring-Vorsitzenden Rolf-Dieter Ganz im Obergeschoss des Turnerheims eingefunden: einige „Gründungsmitglieder“ und erfreulicherweise auch einige neue. Inkl. der Absagen wegen anderer früher vereinbarter Termine dürften ein Dutzend Bischmisser künftig dem harten Kern angehören. Jedenfalls wollen sich die Interessenten Anfang 2026 erneut treffen. Besonders erfreulich die Teilnahme des 19jährigen Christian Zitzelsperger, der sich spontan als an der Dorfgeschichte Interessierter seinem Vater Detlev Kramer angeschlossen hatte.
Insbesondere Paul und Dorothea Bäsel kamen vorbereitet zu dem Treffen. Paul hatte in Erinnerung an das damalige Engagement eine Liste mit Fotokopien der Anzeigen der früheren – üppigen ! – Bischmisheimer Geschäftswelt mitgebracht. Ein bemerkenswertes Dokument – vor allem vor dem Hintergrund, dass von der lange zurück liegenden Vielfalt noch ein einziges Geschäft – Ecke Kunterbunt – übrig geblieben ist. Eine lobenswerte Grundlage für mögliche künftige Diskussionen.
Initiator Ganz hatte „aus aktuellem Anlass“ zwei Themen in den Vordergrund gestellt: 1. den kürzlichen 70. Geburtstag des Saarstatuts und Reaktionen in unserem Stadtteil damals und heute sowie 2. Erinnerungen an die dunkle Zeit des Dritten Reichs angeregt durch die Einweihung des ersten Stolpersteins in Bischmisheim (Geisberg 54) in diesem Frühjahr.
Bei einer Experten-Diskussion im Konferenzgebäude des Saarländischen Rundfunks am 23. Oktober 2025 und damit auf den Tag genau 70 Jahre nach der Abstimmung, bei der die saarländische Bevölkerung das Saarstatut, das dem Saarland dauerhaft einen europäischen Status gegeben hätte, mit mehr als einer Zwei-Drittel-Mehrheit ablehnte, prallten unterschiedliche Meinungen aufeinander. Mit dem Votum wurde der Weg für die sog. „kleine Wiedervereinigung“ mit der damaligen Bundesrepublik Deutschland frei. Die in einigen Wortbeiträgen geäußerte Hoffnung, aus dem Saarland hätte ein zweites Luxemburg werden können, beschied insbesondere der Direktor des Stadtarchivs Dr. Hans-Christian Herrmann (zeitweiliger Bewohner in der Feldstraße Bischmisheim) eine klare Absage.
In unserer Runde erinnerten sich vor allem Klaus Altpeter und Rolf Hippchen an die Zeit des Abstimmungskampfes, der damals sogar quer durch Familien ging. Altpeter wunderte sich, dass bei der Diskussion beim SR die Situation der Kirchen nicht angesprochen wurde. Zumal die unterschiedlichen Positionen selbst bei Streitereien auf dem Schulhof eine Rolle gespielt hätten. Das Thema scheint weiter aktuell zu sein und bleibt deshalb auf unserer Tagesordnung, zumal Christine van Hoof (Institut der Alten Geschichte, Universität), die wegen einer Dienstreise beim ersten Treffen nicht dabei sein konnte, per Mail auf die Rolle der Frauen und eine entsprechende Statistik verwiesen hat. Die wir uns dann näher anschauen werden.
Das zweite Thema – 3. Reich und Bischmisheim inkl. möglichem aktuell auftretendem Antisemitismus in unserem Stadtteil – wollen wir ebenfalls bei der nächsten Sitzung (voraussichtlich Januar 2026 ) erneut aufgreifen. Diesmal fehlten den Anwesenden noch konkrete Hinweise. An große Auseinandersetzungen und Schilderungen älterer Familienmitglieder konnte sich niemand erinnern. Die notwendige Recherche dürfte allerdings schwieriger werden als in Sachen Saarstatut.
Ganz hat inzwischen auch Kontakt zu Patrik Frank aufgenommen, der bei der ersten Sitzungsreihe viele historische Fotos zur weiteren Nutzung gescannt hat – und zum Thema Bunker in und um Bischmisheim profunde Kenntnisse und Dokumente hat.
Fazit der ersten Wiederaufnahme des Geschichtsstammtischs: Ein Anfang ist gemacht, das Echo auch außerhalb der Sitzung belegt wachsendes Interesse. Ob es sich um die früheren Kochbücher oder die wunderbaren Aufzeichnungen in „Bischmissa Mundart“ von Horst E. Schmeer handelt… Wer auch ohne Teilnahme an den Treffen Erinnerungen, Fotos, Dokumente etc. hat, sollte sie uns zur Verfügung stellen.
Wir bleiben jedenfalls dran und berichten auch hier weiter. rdg.


